Im Anschluss an die Aktion „Soester lesen“ zum Welttag des Buches 2009 liefern die Mitarbeiterinnen der Stadtbücherei Ihnen jetzt wöchentlich einen Tipp zu den Medien aus unserem Bestand: Neues und Altes, Romane und Sachbücher, Filme, CDs, Spiele – alles, was uns gefällt!

Zu Anfang stellen wir fest, dass die Literatur derzeit am Hund als „Seelenführer“ wohl einfach nicht vorbeikommt. Ein besonders schönes Exemplar dieser Gattung ist das Buch „Ein feiner Herr und ein armer Hund“ des niederländischen Autors Adriaan van Dis. Schon der Anfang ist mitreißend:
„Der Hund hatte alles gesehen. Mit ihm muss die Geschichte anfangen. Wie er am Fenster tanzte und aus einem brennenden Haus sprang. Aber zuerst macht Herr Mulder einen Abendspaziergang. Der Polizei wird er einen anderen Namen nennen.“
Herr Mulder, ein Niederländer lebt in Paris. Er ist ein vermögender älterer Herr, elegant, kunstliebend, etwas herzleidend, er schätzt gutes Essen, Sauberkeit ist ihm überaus wichtig und er hat leicht zwanghafte Gewohnheiten. Der Abendspaziergang gehört zu seinen ständigen Ritualen. An einem Frühlingsabend erlebt er, wie ein Haus unweit seiner Wohnung abbrennt. Das heruntergekommene Haus, besetzt von illegalen Einwanderern aus aller Herren Länder ist nicht zu retten, auch viele seiner Bewohner nicht. Trotz aller Panik wird schließlich noch aus einem der oberen Stockwerke ein Hund gerettet. Schmutzig und verletzt sucht sich der namenlose Hund, der mit den Flüchtlingen aus Afrika gekommen ist und allen oder niemandem gehört, ausgerechnet Mulder als Herrn aus. Und Mulder kann nicht widerstehen, er beschließt, den Hund wenigstens über Nacht zu behalten. Von da an gehören beide zusammen. Der Hund zeigt Mulder eine ganz andere Welt: „Das war nicht die Stadt, die er von seinen Spaziergängen kannte. Innerhalb des Rings schien es noch ein zweites Paris zu geben, verborgen hinter verfallenen Fassaden verlassener Fabriken, hinter den hohen Mauern ausrangierter Lagerhallen, ohne Wasser und Licht, eine Stadt, unsichtbar für das Auge des Gesetzes, hochgezogen aus Wellblech und Bauplanen, illegal bewohnt, mit eigenen Regeln, wo ein anderes Evangelium an die Wände geschmiert wurde: „Dieu en a marre. Dieu est aussi noir.“ Mulder fühlt sich aufgefordert, „etwas zu tun“. Geleitet vom Hund besucht er Brandopfer, Bettler und Illegale, sucht den Priester auf und lernt die Menschen von ganz anderen Seiten als bisher kennen. Er verliebt sich sogar ein wenig in die schöne Witwe eines der Toten aus Sri Lanka, die er dann doch verliert - so wie er schließlich auch den Hund wieder lassen muss … Sein Leben, seine Träume haben sich völlig verändert. - Ein bewegendes Buch, das man lange nicht vergessen wird!
Adriaan van Dis: Ein feiner Herr und ein armer Hund
München: Hanser, 2009
Tipp von: Juliane Buff