Haben Sie schon einmal versucht, sich eine Route von Google-Maps berechnen zu lassen?
Ich selbst habe letzte Woche damit einige interessante Erfahrungen gemacht. Das ist nämlich gar nicht so leicht wie man vielleicht denkt.
Schon seit einiger Zeit existiert das Problem, dass Google die genaue Position der Stadtbücherei Soest nicht kennt. Mit der Zeit fiel das immer mehr ins Gewicht, da viele Leute versuchen, sich mit Hilfe von Google-Maps oder vergleichbaren Routenplanern zu orientieren.
Nachdem dann vor einigen Tagen ein sehr erboster Herr bei uns anrief und sich darüber beschwerte, dass er in einem Wohngebiet im Soester Süden stehe und nirgendwo eine Stadtbücherei in Sicht wäre, dachte ich, es wäre an der Zeit, das Kartenmaterial von Google korrigieren zu lassen.
Und genau da begann die Odyssee…
Wenn Sie im Suchfeld von Google-Maps die Begriffe „Soest“ und „Stadtbücherei“ eingeben, erhalten Sie zwei Ergebnisse:
- Stadtbücherei Soest, Severinstraße 10, allerdings mit der falschen Telefonnummer und, viel wichtiger, falsch verortet in der Nähe der Arnsberger Straße.
- Stadtbücherei Soest, Thomästraße, die falsche Adresse, dafür allerdings mit der richtigen Telefonnummer
Nun dachte ich, dass müsste ja eigentlich ganz einfach sein, man schreibt einfach an Google eine Email und teilt den Bearbeitern dort die richtigen Daten mit.
Tja…
Es gibt auf der gesamten Seite keine Kontakt-Emailadresse. Zwar hat man die Möglichkeit, über „Hilfe“ auf „Kontakt“ zu gelangen, aber dort dreht man sich im Kreis, weil keiner der angegebenen Möglichkeiten wirklich zum Ziel führt.
Und die Geduld, mich selbst als Bearbeiter anzumelden und die falschen Daten zu korrigieren, hatte ich auch nicht.
Durch Recherche in verschiedenen Internet-Foren brachte ich dann doch noch eine Hotline in Erfahrung. Dort antwortete mir eine automatische Ansage, dass für alle Google-Produkte kein telefonischer Support angeboten wird.
Nach weiteren Minuten des entnervten Suchens fiel mir in der Suchergebnis-Liste neben jedem Standort ein kleines Drop-Down-Menü auf und hier gab es dann tatsächlich die Möglichkeit, „Ein Problem zu melden“. Ich füllte für jeden der Fehler ein Online-Formular aus und schickte es ab.
Zwar wurde bisher noch keine der falschen Angaben korrigiert, doch lebt man ja immer in der Hoffnung.
Wenn es Ihnen genau so geht, sei es bei der Suche nach der Stadtbücherei, beim Entziffern einer unverständlichen Bedienungsanleitung oder bei der Fahrplanauskunft der Deutschen Bahn, rufen Sie uns an (wir erklären Ihnen den Weg zu uns) oder leihen Sie sich folgendes Buch aus. Es wird Ihnen zwar auch nicht helfen, Ihr neues Handy zu programmieren oder eine Fahrkarte nach München zu lösen, doch ist es ein beruhigendes Gefühl, zu lesen, dass man nicht der einzige ist, dem es so geht.
Nein, inzwischen ist es ganz normal, sich in einem täglich komplizierter werdenden Dschungel an Technik und sogenanntem „Kundenservice“ zu Recht finden zu müssen.
Für alle anderen ist es eine unterhaltsame Möglichkeit, sich über technikunbegabte Menschen zu amüsieren, die selbst beim Bedienen ihres Fernsehers an ihre Grenzen stoßen.

Herbert, Sibylle:
Bin ich zu blöd? : der Handy-Hotline-Technik-Terror
Köln : Kiepenheuer & Witsch, 2009
ISBN 978-3-462-04154-5
Tipp von einer orientierungslosen Alexandra Eckel