Archive for Juli, 2010

Wochen-Tipp: “Wie die Madonna auf den Mond kam” von Rolf Bauerdick

Montag, Juli 26th, 2010

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Das kleine Bergdorf Baia Luna liegt in Transmontanien, und das wiederum mag irgendwo nördlich, südlich, östlich oder westlich von Rumänien liegen, oder auch mittendrin (wofür manches spricht, nicht nur der häufige Konsum von Zuika-Schnaps und Carpati-Zigaretten in unserer Geschichte, Vampire kommen allerdings nicht vor). Ganz sicher aber liegt es in den Karpaten, aber wer weiß schon genau, wo die liegen, man sollte es sich einmal auf der Landkarte ansehen. Vielleicht ist es ein Kunstgriff des Autors, denn Baia Luna ist eben ein literarischer Ort, den manche Rezensenten auch schon mit Garcia Marquez`”Macondo” verglichen haben.

In Baia Luna leben 250 Einwohner miteinander: Einheimische, Deutsche, Ungarn und Roma. Mittelpunkt des Dorfes ist der Dorfladen und die Schankstube von Ilja Botev. Die Geschichte, die vom damals 15-jährigen Enkel des Schankstubenbesitzers erzählt wird, setzt ein am 6. November 1957: Großvater Ilja und sein Freund, der Roma Dimitru, lauschen mit einem Blechtrichter am Ohr ins Weltall auf das Piepen des Sputnik. Beide sind überzeugt: Die Sowjets wollen mit der Weltraumexpedition beweisen, daß es Gott nicht gibt, weil er im Weltall nicht gefunden werden kann.
Für Pavel endet die Schulzeit abrupt, als die Lehrerin spurlos verschwindet. Kurz vorher hat sie ihm noch einen brisanten Auftrag gegeben: Als er das Foto des neuen Parteisekretärs im Klassenzimmer aufhängen muß, flüstert sie ihm zu: “Schick diesen Mann zur Hölle, vernichte ihn!” Erst nach über 30 Jahren gelingt es Pavel, den Sinn zu verstehen und auch den Zusammenhang mit anderen seltsamen Ereignissen: Das Ewige Licht in der Dorfkirche erlischt, der Dorfpfarrer wird brutal ermordet und die Madonna in der Wallfahrtskapelle auf dem Mondberg wird gestohlen.
Das “Goldene Zeitalter” des Sozialismus beginnt, die Dorfgemeinschaft gewöhnt sich an die neuen Zustände - fern von der Hauptstadt, entwickelt sich aber manches anders, als die neuen Machthaber es sich vorstellen, und die Aktionen von Geheimdienst und Parteifuntionären haben nicht immer den gewünschten Erfolg.
Daraus fabuliert Rolf Bauerdick eine bunte Geschichte in bester slawischer Erzählermanier - das Salz in der Suppe sind dabei die schrulligen Diskussionen zwischen Ilja und Dimitru, die sich ganz sicher sind, daß die Sowjets es auch auf die Gottesmutter Maria abgesehen haben. Mit ihrer ganz eigenen Logik kommen sie zu dem Schluß, daß die verschwundene Maria auf dem Mond verborgen ist - im “Mare Serenitates”, dem “Meer der Heiterkeit”, wo sonst?
Nach 30 Jahren ist der Zerfall des Sozialismus nicht mehr aufzuhalten. Die Katastrophe ist schließlich über Baia Luna hinweggegangen: Die größte Gefahr ist der Mensch, es hat viele Opfer gegeben - aber die Natur rettet sich selbst.

Ein Buch, das man wenigstens zweimal lesen kann!

Bauerdick, Rolf:
Wie die Madonna auf den Mond kam
Stuttgart: Dt. Verl.-Anst., 2009
515 S.

Tipp von Juliane Buff

Wochen-Tipp: “Die Quigleys ganz groß” von Simon Mason

Montag, Juli 19th, 2010

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Endlich gibt es neue Geschichten von den Quigleys, der etwas chaotischen aber überaus liebenswerten Familie aus England.


In vier neuen Geschichten geht es u.a. um Wills scheinbar entflohenen Wellensittich Todesschwinge der sich nach ereignisreicher Suche putzmunter im Klavier wiederfindet.

Sehr unterhaltsam auch die Geschichte vom Träumer Willi der seltsame Sachen entdeckt, als er versehentlich in der Schule eingeschlossen wird.

Der Autor beschreibt Familienalltag, wie ihn jeder kennt - mit viel Humor, Augenzwinkern und Sympathie für die handelnden Personen.
Das Buch eignet sich sehr gut zum Vorlesen und zum Selberlesen ab 8 Jahren.

An dieser Stelle möchte ich auch einmal die Übersetzerin dieses Buches würdigen. Gabriele Haefs ist preisgekrönte Übersetzerin und Autorin. Sie erhielt den Deutschen Jugendliteraturpreis, Sonderpreis 2008 für das Gesamtwerk ihrer kinderliterarischen Übersetzungen.

Titel: Die Quigleys ganz groß
Autor: Simon Mason
Verlag: Carlsen
Erscheinungsjahr: 2010
ISBN: 978-3-551-55561-8


Wochentipp von Barbara Beine

 

Wochentipp: “Kuckuck, Krake, Kakerlake : das etwas andere Tierbuch” von Bibi Dumon Tak

Montag, Juli 12th, 2010
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Kennen Sie schon das Thermometerhuhn? Oder die Jesus-Christus-Echse? Ich hatte bis vor kurzem keine Ahnung, dass es sie gibt. Sie und noch etliche andere Tiere mit ausgefallenen Gewohnheiten stellt dieses ungewöhnliche Tierbuch vor.

Es ist oft kaum zu glauben, dass es all diese Tiere, die da beschrieben werden, wirklich gibt (bis auf das letzte, das Papierfischchen, das eine Schöpfung der Autorin zu sein scheint). Ich habe beim (Vor-)lesen viel Neues und Wunderliches erfahren und noch viel mehr gelacht, auch weil die Autorin Bibi Dumon Tak so locker und humorvoll erzählt. Man spürt, welchen Spaß sie selbst an all dem hat, worüber sie schreibt. So zieht sie amüsante Parallelen zwischen der Blauflügel-Prachtlibelle und einem Alfa-Romeo sowie dessen Fahrer. Es ist ein bisschen wie eine große Bühnenshow, bei der sich exzentrische Stars tummeln und und für die sich jemand im Hintergrund etwas besonders Lustiges und Ausgefallenes ausgedacht hätte.

Die originellen Schwarz-Weiß-Zeichnungen von Fleur van der Weel im Stil von Linolschnitten ergänzen und unterstreichen auf den Geist des Textes.

Ein wunderbares Buch für Kinder und Erwachsene, um zusammen über die Wunder der Natur zu staunen und sich darüber zu freuen.

Ab 10 Jahren

Tak, Bibi Dumon

Kuckuck, Krake, Kakerlake

Berlin: Berlin-Verl. 2010

978-3-8270-5282-7

Tipp von Brigitte Weber

Neuanschaffungen im 1. Halbjahr 2010: neue Spielfilme und Sachfilme auf DVD

Freitag, Juli 9th, 2010

Über 150 neue Filme haben wir im 1. Halbjahr für Sie angeschafft und damit auch das Angebot an Filmen zu Sachthemen aufgestockt. Nur einige Beispiele: Begeben Sie sich per DVD auf den Jakobsweg, gönnen Sie sich ein IMAX-Filmerlebnis im Grand Canyon, im Hurrikan über Louisiana oder in fantastischen Höhlen, machen Sie mit “Chronos” eine audiovisuelle Reise durch die Zeit, betrachten Sie Lutz Fritzsches “Bibliothek im Eis” oder sehen Sie Christo und Jeanne Claude zu, und Slavoj Zizeks “The pervert’s guide to cinema” oder “What the bleep do we (k)now?” können Ihnen ganz neue Erkenntnisse bringen.
Auf unserer Website finden Sie unter “Medienangebote” jetzt wieder die Neuanschaffungslisten als pdf-Dokumente zum Download.

Prüfung bestens bestanden!

Dienstag, Juli 6th, 2010

Susanne Atorf nach glücklich bestandener Prüfung

Unsere Auszubildene Susanne Atorf hat am 5.7. die Abschlussprüfung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste - Fachrichtung Bibliothek mit der Gesamtnote “sehr gut” bestanden!
Ein bißchen aufregend waren die letzten Tage ja schon, aber wir haben niemals daran gezweifelt, dass es so ausgehen würde. Wir gratulieren ihr ganz herzlich!

In der Stadtbücherei hatte Susanne sich besonders in der Kinder- und Jugendbücherei engagiert. Zusammen mit Petra Karst-Köster gestaltete sie viele lustige Nachmittage mit der Lese-AG der OGGS. Nun wird sie zur Kunstexpertin - wenn Sie Susanne gern wiedersehen möchten: Von jetzt an arbeitet sie als Museumsangestellte im Morgnerhaus.
Wir vermissen sie jetzt schon sehr …

Der Umbau beginnt

Dienstag, Juli 6th, 2010

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Im Garten der Stadtbücherei ist es jetzt nicht mehr so gemütlich: Gestern wurde schon vom Bagger einiges aufgewühlt, und die Kunstwerke mußten umziehen. Bald wird es ernst!

Wochen-Tipp: DVD “Das weisse Band”

Montag, Juli 5th, 2010

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„Das weiße Band“ zeigt die Geschichte eines Dorfes in Norddeutschland zwischen 1913 und 1914.

Der ehemalige Dorflehrer einer Einklassenschule berichtet von dem Unfall des Arztes, dessen Pferd über ein gespanntes Seil vor seinem eigenen Haus gestolpert ist. Nur kurze Zeit nach dem Reitunfall des Arztes kommt eine Arbeiterin des Gutshofes ums Leben. Der wütende Sohn untersucht die Umstände des Unfalls, den er aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen dem Gutsherrn anlastet. 

Im Mittelpunkt der kleinen Gemeinschaft steht Klara, die älteste Tochter des Pfarrers. Der Pfarrer ist eine zentrale Autorität des Dorfes und beherrscht auch seine Familie. Besonders die älteren Kinder (Klara und Martin) werden bestraft. Als Zeichen des nötigen Reifeprozesses müssen die Geschwister ein weißes Band tragen, welches sie dazu anhalten soll, sich unschuldig und untadelig zu verhalten. Als der Gutsherr mit seinen Arbeitern das Erntedankfest feiert, wird sein Kohlkopffeld zerstört. Doch dies ist erst der Anfang der weiteren Schicksale. 

Noch erschreckender als die unnatürlichen Todesfälle und die dargestellten Misshandlungen sind die in diesem Film gezeigten Erziehungsmethoden sowie der herzlose Umgang der Erwachsenen untereinander und den Kindern gegenüber.

Darsteller: Christian Friedel, Ernst Benesch, Leoni Benesch

Regisseur: Michael Haneke

FSK: Freigegeben ab 12 Jahren

Spieldauer: 138 Minuten

Tipp von Iwona Plonus