Wochen-Tipp: “Accabadora” von Michela Murgia

September 6th, 2010

Accabadora
Sardinien in den 50-er Jahren: Maria lebt bei der alten Bonaria Urrai, die das 6-jährige Kind als “fill’e anima” (”Tochter der Seele” oder, wie hier übersetzt “Tochter des Herzens”) angenommen hat: Maria ist das vierte, unerwünschte Kind einer armen Witwe, während Bonaria Urrai recht wohlhabend, aber kinderlos ist. Für Maria beginnt ein neues Leben, das viele Annehmlichkeiten für sie bereithält, sie darf lange zur Schule gehen und lernt viel. Doch lange Zeit durchschaut sie nicht das Geheimnis der Bonaria - als sie es nach Jahren entdeckt, verliert sie das Vertrauen zu ihrer Pflegemutter. Zum zweiten Mal muß Maria ein neues Leben beginnen …

Vor Monaten empfahl mir die Buchhändlerin meines Vertrauens diesen ersten Roman der in Sardinien geborenen Michela Murgia als eine ganz besonders bewegende Neuerscheinung, die auch unsere LeserInnen ansprechen wird.

Murgia, Michela:
Accabadora : Roman
Berlin: Wagenbach, 2010
173 S.
ISBN 978-3-8031-3226-0

Tipp von Juliane Buff

Wochen-Tipp: “Dackelblick” von Frauke Scheunemann

August 30th, 2010

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Seit neun Monaten sind meine Familie und ich auch stolze Besitzer eines Hundes. Da ist man natürlich für solche Buchcover besonders empfänglich und greift ohne Zögern zu diesem Buch.

Dackelwelpe Carl - Leopold von Eschersbach ist das Ergebnis einer Affäre seiner Mutter mit einem schneidigen Terrierrüden. Nun sitzt er in der Klemme oder besser gesagt, im viel zu engen Zwinger eines Tierheims, denn für die Jagd und die Zucht ist er gänzlich ungeeignet und sein altes Herrchen wollte ihn nicht mehr.

Glücklicherweise schließt ihn Carolin am Besuchstag auf Anhieb in ihr Herz und nimmt ihn bei sich auf und gibt ihm auch einen neuen Namen: Herkules.

Als er mitbekommt, dass sein neues Frauchen in einer unglücklichen Beziehung lebt, ergreift er die Initiative. Unterstützt wird er dabei von dem Menschenkenner Herrn Beck, dem Kater vom Nachbarn. Gemeinsam nehmen er und Herr Beck die Sache in die Pfoten, um für Carolin und für ihn natürlich das richtige Herrchen zu finden. 

Etliche Missverständnisse und Hindernisse müssen überwunden werden, bis es schließlich gelingt. Diese leicht geschriebene, liebenswerte Geschichte aus Hundesicht kann ich allen, nicht nur Hundefreunden, sehr empfehlen.

Scheunemann, Frauke:
Dackelblick : Roman
München : Page & Turner, 2010
ISBN 978-3-442-20357-4

Wochentipp von Barbara Beine

Umfrage-Ergebnis

August 27th, 2010

Lummerland ist überlaufen, auch Titiwu ist offenbar ein attraktives Ziel, aber Utopia floppt - das ist das Ergebnis unserer kleinen Umfrage, auf welcher literarischen Insel Sie wohl gern Ihren nächsten Urlaub verbringen würden … ;-)

Wochen-Tipp: “Rasmussens letzte Reise” von Carsten Jensen

August 23rd, 2010

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Als das Handelsschiff “Peru” 1893 nach Grönland aufbricht, hat es nur einen Passagier an Bord: den Marinemaler Carl Rasmussen. Er steht kurz vor seinem 52. Geburtstag, ist verheiratet, hat 8 Kinder und ist als Maler anerkannt, aber seine Selbstzweifel haben mit den Jahren auch zugenommen. Er leidet darunter, seine Unschuld und damit auch sein Talent verloren zu haben.  Mit seiner Kunst wollte er Brücken zwischen den Seelen schlagen, das Edle im Menschen und die Schönheit der Schöpfung zeigen, und jetzt befürchtet er, ein gewöhnlicher Freilichtmaler geworden zu sein.
Schon als Kind wollte er Maler werden, hat da schon erlebt, dass Kunst die Kraft hat, Seelen zu vereinen, und er hat sich immer geweigert, etwas Abstoßendes darzustellen: “Ich male nichts Hässliches.”
Sein künstlerischer Werdegang ist anfangs leidvoll, da er lange auf ein Stipendium warten muss. Unterstützung findet er in der starken Persönlichkeit seiner Cousine Henrietta, die an ihn glaubt und ihm hilft, seinen Weg in der Kunst zu finden. Sie hat ihn auch ermutigt zu seiner ersten Reise nach Grönland als junger Mann. Er suchte einen Ort, wo er etwas wirklich Großes malen konnte.
Auf dieser ersten Reise findet er auch, was er sucht: Er ist fasziniert von der Natur, den Farben und den dort lebenden Menschen. Jonas, ein Eskimo, der ihn auf einem Ausflug begleitet  - und von dem erzählt wird, er sei ein Schamane - wird sein ergebener Zuschauer beim Malen. In ihm findet er “diese fremde seele, die ihm in vorbehaltloser Offenheit entgegenkam und plötzlich zu einem Vertrauten wurde, weil sie beide an der Macht der Kunst teilhatten.”
Als er von seiner Reise zurückkehrt, ist Henrietta, mit der er sich vor der Abfahrt verlobt hatte, verstorben. Carl leidet unter Schuldgefühlen, weil er nicht gesehen hat, wie krank sie war und nur an sich selbst gedacht hat. Aus Pflichtgefühl heiratet er ihre jüngere Schwester Anna Egidia.
Doch zuvor geht er noch auf die für Künstler damals obligatorische Reise in den Süden, für die er, da er jetzt ein angesehener Maler ist, ein Stipendium der Kunstakademie erhält.  Dem Vergleich mit Grönland können für ihn Italien und Frankreich nicht standhalten, er ist empört über die soziale Ungerechtigkeit, die ihm in beiden Ländern ins Auge springt.
Da auch Kopenhagen nicht “sein Ort” ist, lässt er sich mit seiner Familie in Marstal auf seiner Heimatinsel nieder. Er wird berühmt, gelangt zu Wohlstand, hat eine zufriedene Familie, aber auch in Marstal vermisst er etwas Elementares, immer wieder trauert er auch Henrietta nach, immer mehr fehlt ihm bei seiner Arbeit die Inspiration. Er “hatte ein Glaubensbekenntnis in der Kirche. Und er hatte ein weiteres für sein übriges Leben. Die Abtönungen” . Er hält an den Regeln der Akademie fest, die ihn fesseln.
Die zweite Reise soll ihn zurückführen zu dem, was er dort früher in sich fand.
Doch bei der Ankunft ist wie ein Omen der Himmel, der ihm früher so ein großartiges Farbschauspiel bot, eintönig grau, bietet ihm nicht die geringste Inspiration. Er sucht nach Jonas, hört, dass der auf seine frühere Art überall auftaucht, glaubt auch manchmal seine Anwesenheit zu spüren. Seine äußere Reise führt ihn immer mehr auf die Reise zu sich selbst…
Die Zerrissenheit des Malers, seine Suche nach Wahrheit, die ihn immer wieder an seine Grenzen führt und der Blick auf das Meer und die gewaltige Natur Grönlands lassen beim Lesen einen tiefen Eindruck zurück.

Jensen, Carsten:
Rasmussens letzte Reise : Roman
München : Knaus, 2010
ISBN 978-3-8135-03331-9

Wochentipp von Brigitte Weber

Autorenlesung: “Totgeliebt” mit Andreas Kläne am 7.9.2010

August 19th, 2010

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Die im März wegen Krankheit des Autors ausgefallene Lesung wird jetzt am 7.9.2010 stattfinden:

“Totgeliebt” ist als Tatsachenroman ein Beitrag zur Psychologie des Verbrechens und basiert auf einem wahren Fall der deutschen Justiz. Der Roman von Andreas Kläne berührt durch die eindringliche Schilderung von Beziehungsalltäglichkeiten und einer Katastrophe, die sich allmählich ihren Weg durch die Fassade einer fast perfekten Ehe sucht.

Andreas Kläne schafft es wie kein anderer Journalist, Zugang zu der Frau zu bekommen, die das Verbrechen begangen hat.

Eine Veranstaltung der VHS Soest, der Gleichstellungsstelle der Stadt Soest, der Stadtbücherei Soest, der Ritterschen Buchhandlung und der Bücherstube Ellinghaus.

Dienstag, 7.9.2010, 20 Uhr
Eintritt 4,00 €

Deutscher Buchpreis 2010: Longlist veröffentlicht

August 18th, 2010

Heute wurde die diesjährige Longlist zum Deutschen Buchpreis bekanntgegeben: 20 Titel wurden von 148 Büchern, die von Oktober 2009 bis September 2010 erschienen sind, ausgewählt. Am 8. September wird die 6 Titel umfassende Shortlist bekanntgegeben, die Preisverleihung findet zu Beginn der Frankfurter Buchmesse am 4. Oktober statt.

Zur Jury gehören Jobst-Ulrich Brand (Focus), Julia Encke (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung), Thomas Geiger (Literarisches Colloquium Berlin), Ulrich Greiner (Die ZEIT), Burkhard Müller (Süddeutsche Zeitung), Ulrike Sander (Osiandersche Buchhandlung, Tübingen) und Cornelia Zetzsche (Bayerischer Rundfunk).

Wochen-Tipp: “Gilgamesh”

August 16th, 2010

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Über 3000 Jahre alt ist das älteste Epos der Weltgeschichte, das auf 12 Tontafeln die ewigen Themen der Menschheit aufgreift: Freundschaft, Liebe, Macht , Ruhm, die Auflehnung des Menschen gegen sein Schicksal und die Suche nach Unsterblichkeit. Raoul Schrott hat es genial nachgedichtet:

Gilgamesh, König von Uruk, ist zu 2/3 göttlich, zu 1/3 menschlich - und ein Tyrann, der seine Untertanen überfordert. Um ihm Grenzen zu setzen, erschaffen die Götter aus Lehm Enkidu, der mit den Tieren der Wildnis zusammenlebt. Doch anders, als die Götter sich das vorgestellt hatten, endet der Zweikampf der beiden unentschieden; sie werden Freunde und nehmen sich ein gefährliches Unternehmen vor: In der Stadt wird Holz gebraucht zum Bau, als Feuerholz und für den Schiffsbau. Das soll geraubt werden aus den Zedernwäldern der Ishtar, die von dem Dämon Humbaba bewacht werden. Gilgamesh und Enkidu finden Humbaba und überwinden ihn, auch den Himmelsstier, der das Land verwüstet, können sie töten. Doch das ist zu viel Auflehnung gegen die Götter …

So vieles aus dem Gilgamesh-Epos findet sich wieder in den homerischen Epen, in den Geschichten des Alten Testaments und auch aus Tausendundeiner Nacht, daß man kaum verstehen kann, daß es so wenig in unserem Bewußtsein ist. Raoul Schrotts Nachdichtung ist eine aufregende Lesefassung, und gar nicht entziehen kann man sich der großartigen, wirklich unheimlichen Hörspielfassung.

Schrott, Raoul:
Gilgamesh : Epos
München: Hanser, 2001
341 S.

Hörspiel:
Gilgamesh / neue Fassung des Epos von Raoul Schrott. Bearb., Komposition und Regie: Klaus Buhlert
München: Der HörVerlag, 2006
3 CD + Booklet

Tipp von Juliane Buff

Wettbewerb “Geschichte einer Freundschaft” des Goethe-Instituts bis zum 20.8.2010

August 13th, 2010

Noch eine Woche lang haben Sie Gelegenheit, dem Goethe-Institut von Ihrem Lieblingsbuch zu erzählen:
“Erzählen Sie uns, und anderen, was für Sie das Besondere, das Einmalige an Ihrem Lieblingsbuch ist und welche Freundschaft Sie mit diesem Buch verbindet! Teilen Sie Ihre Begeisterung mit anderen!”

Bei dem Wettbewerb gibt es tolle Preise zu gewinnen - vielleicht ist ja einer unserer LeserInnen der/die Glückliche …

Wochentipp: ” Ein fabelhafter Lügner” von Susann Pasztor

August 9th, 2010

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Charmanter Herzensbrecher sorgt für Chaos 

Als Joschi Molnar nach einem Selbstmordversuch im Krankenhaus liegt, stürzen gleich drei Frauen an sein Bett:

Gattin und Geliebte, beide schwanger, sowie die Exfrau.

Eine peinliche Situation für Joschi, doch wie immer gelingt es dem Herzensbrecher, die Damen zu besänftigen.

Jahrzehnte später kommen die Halbgeschwister Gabor, Hannah und Marika zusammen, um ihres verstorbenen Vaters Joschi zu gedenken. Was folgt, ist ein Wochenende der Spurensuche, Überraschungen, Missverständnisse, Streitereien, aber auch der liebenswerten Albernheiten. Man fühlt sich mittendrin in dieser skurril - komischen Familie, lacht - und hat am Ende den Wunsch, das Buch mit den Worten  “Muss man lesen !” weiterzuverleihen.

Pasztor, Susann:

Ein fabelhafter Lügner

Roman

Kiepenheuer & Witsch, 2010

ISBN 978-3-462-04219-1

Tipp von: Gerda Exner 

Wochentipp: “Tagebuch eines Wombat” von Jackie French und Bruce Whatley

August 2nd, 2010

„Tagebuch eines Wombats“ ist eines der schönsten und lustigsten Bilderbücher, das ich kenne.

Ein Wombat, ein australisches Beuteltier, beschreibt auf humorvolle Art und Weise und mit sehr niedlichen Bildern illustriert seinen Tagesablauf und welche Probleme es oft mit den Menschen hat, in deren Garten es lebt. Da diese anscheinend unheimlich begriffsstutzig sind, braucht es schon eine ganze Weile, sie zu erziehen und ihnen begreiflich zu machen, was ein Wombat braucht.

 

Nicht nur Kinder werden mit diesem Buch Spaß haben, auch Erwachsene können herzlich über die Abenteuer des kleinen Australiers lachen.

 

Seit kurzem gibt es nun auch eine Fortsetzung: „Tagebuch eines Babywombat“.
Hier beschreibt jetzt der kleine Wombat seine Woche zusammen mit seiner Mutter und seinem neuen kleinen Freund, dem Menschenbaby. Sie schlafen, fressen, langweilen sich – und hinterlassen Chaos an allen Ecken und Enden.

French, Jackie ; Whatley, Bruce:
Tagebuch eines Wombat
Hildesheim : Gerstenberg, 2005
ISBN 3-8067-5096-3

Tipp von: Alexandra Eckel